Die Transaktionsanalyse bietet eine Möglichkeit, solche Situationen genauer zu betrachten. Sie geht davon aus, dass wir aus unterschiedlichen Ich-Zuständen heraus denken, fühlen und handeln. Vereinfacht gesagt können wir beispielsweise aus einem fürsorglichen, einem angepassten oder einem eher sachlich orientierten inneren Zustand heraus reagieren. Im Alltag kann sich das ganz unterschiedlich zeigen.
Du kommst nach Hause und möchtest eigentlich sachlich noch schnell alles organisieren. Dein Kind sucht aber Nähe. Gleichzeitig meldet sich in dir vielleicht der Gedanke: Ich muss das jetzt alles im Griff haben.
Wenn du dich selbst in solchen Momenten besser wahrnimmst, entsteht eine kleine Pause zwischen dem Reiz und deiner Reaktion. Du kannst dich fragen:
Was passiert gerade in mir?
Nicht: Was mache ich schon wieder falsch?
Sondern:
Bin ich gerade erschöpft?
Bin ich noch gedanklich bei der Arbeit?
Stehe ich unter Zeitdruck?
Was brauche ich eigentlich gerade?
Welcher innere Anspruch macht den Moment zusätzlich schwierig?
Diese Fragen können einen Unterschied machen.
Vielleicht brauchst du keinen besseren Zeitplan, sondern einen Übergang.
Manchmal versuchen wir, Stress mit noch mehr Organisation zu lösen. Wir planen besser. Wir beeilen uns. Wir versuchen, effizienter zu werden. Doch nicht jede Belastung lässt sich durch bessere Planung lösen. Manchmal fehlt uns zwischen zwei Rollen schlicht ein Moment des Ankommens und eine Möglichkeit unser System zu entlasten.
Du könntest beispielsweise ausprobieren, deinen Feierabend bewusst zu markieren.
Vielleicht schliesst du deine Arbeit nicht einfach ab, sondern nimmst dir eine Minute, um festzuhalten, was heute noch offen ist und was bis morgen warten darf. Auf dem Heimweg könntest du dir bewusst machen:
„Die Arbeit ist für heute beendet. Jetzt fahre ich nach Hause.“
Vielleicht brauchst du zu Hause fünf Minuten, bevor du dich auf die Familie einlässt.
Das muss kein aufwendiges Ritual sein. Es kann auch einfach ein bewusster Atemzug vor der Haustür sein. Oder die Entscheidung, nicht sofort auf jede Frage reagieren zu müssen.
Du darfst sagen, dass du erst ankommen möchtest
Ein Übergang muss nicht immer still und allein stattfinden. Manchmal hilft es, ihn zu kommunizieren.
Zum Beispiel:
„Ich bin gerade erst nach Hause gekommen. Gib mir bitte fünf Minuten, dann bin ich ganz bei dir.“
„Ich möchte dir gerne zuhören. Ich brauche gerade nur kurz einen Moment, um anzukommen.“
„Ich kann das gerade nicht gleichzeitig beantworten. Lass uns nach dem Essen darüber sprechen.“
Das ist keine Ablehnung. Du sorgst dafür, dass du wieder aufnahmefähig wirst. Und vielleicht stellst du dabei fest, dass wenn du deine Bedürfnisse früher wahrnimmst und ausdrückst, musst du sie später weniger deutlich durch Gereiztheit zeigen.